Life Balance - Das Geheimnis der Lebens-Balance

Erschienen am 7 November 2014
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Haben Sie sich auch schon mal gefragt, warum manche Menschen durch jede Kleinigkeit ins Ungleichgewicht geraten zu scheinen? Während andere eine hohe Arbeitsbelastung, gewollte oder ungewollte persönliche Veränderungen, Stress und noch viel mehr von Außen betrachtet viel leichter wegstecken können? Schneller den Weg zurück in ihre selbstgesteuerte Handlungsfähigkeit finden? Immer ein attraktives Ziel parat haben und auch ausreichend positive Energie dafür? Statt im Moment zu verharren mit einem Gefühl von 'Ausgeliefertsein'?

Was ist überhaupt Balance?

Wenn wir Hunger haben, denken wir unentwegt ans Essen. Und erst wenn wir satt sind, kann sich unsere Aufmerksamkeit wieder anderen Dingen zuwenden. Einem schönen Buch zum Beispiel. So wie sich der Körper im Gleichgewicht befindet, wenn wir ihn regelmäßig mit ausreichend und richtiger Nahrung versorgen, verhält es sich auch mit dem Geist und der Seele. Auf emotionaler Ebene wird Balance als Gefühl der Ruhe, der Entspannung, des Zufriedenseins und des Friedens erlebt. Aus welchem heraus Entwicklung möglich ist. Die Symptome für Unausgeglichenheit reichen von einem vorübergehendem Gefühl von 'irgend etwas stimmt hier nicht' bis hin zu Ausgebranntheit oder auch Leere. Das braucht also keiner so wirklich. Balance hingegen, wünsche ich jedem! Die Frage ist nur, wie genau geht das, in Balance zu sein?

Wie mache ich das, 'Balance'?

Alexandra Strehlau, eine deutsche Psychologin, die sich intensiv mit dem Thema 'Life Balance und Selbststeuerungskompetenzen' auseinandergesetzt hat, hat herausgefunden, dass 'Menschen sich in Balance fühlen, wenn sie ihre Bedürfnisse spüren und wenn es ihnen gelingt, die Befriedigung ihrer Bedürfnisse in ihre Lebensführung zu integrieren'. Das Geheimnis der Balance sind also unsere Bedürfnisse. Wenn wir sie kennen und erfüllen können, entsteht Balance. Bedürfnisbefriedigungsbalance quasi.
Klingt erstmal irgendwie abstrakt.

Das heißt also, dass 'Zeit' oder 'Arbeitsbelastung' keine Hauptkriterien sind, an denen sich Balance messen lässt - wie lange geglaubt. Aus der Perspektive heraus lässt sich auch erklären, weshalb sich Personen im Ungleichgewicht fühlen können, selbst wenn sie genügend Zeit für alles eigentlich haben. Die 50 Jährige Frau, die 'ausgesorgt' hat, wie man so schön sagt, aber plötzlich irgendwie nicht mehr klar kommt, sobald die Kinder das Haus verlassen. Dabei kann sie doch jetzt endlich alles machen! Oder der Langzeitarbeitslose dem ironischer Weise ein Burnout-Syndrom diagnostiziert wird.

Genügend Zeit zu haben bedeutet also nicht zwingend fähig zu sein, die eigenen Bedürfnisse zu kennen oder in der Lage zu sein diese zu befriedigen. Und ein Manager mit einer 70-Stunden-Woche ist nicht zwingend ein Kandidat für Unausgeglichenheit, Burnout oder Depression. Hinter dem Gefühl von Ausgeglichenheit stecken also Bedürfnisse. Aber was ist das überhaupt genau?

Was sind Bedürfnisse?

Marshall Rosenberg, Begründer der Gewaltfreien Kommunikation, geht noch einen Schritt weiter. Nicht nur, dass Bedürfnisse dafür verantwortlich sind, ob wir uns im Gleichgewicht fühlen oder nicht. Er sagt, sie seinen 'der Motor all unseres Handelns'. Alles was wir tun, tun wir letztendlich zur Stillung unserer hungrigen Bedürfnisse – die laut ihm bei allen Menschen auf der Welt die gleichen sind. Wir streben also alle intuitiv nach Balance! Außerdem, sagt er, stehen Bedürfnisse in direkter Verbindung mit unseren Gefühlen. Bleiben Bedürfnisse unerfüllt, äußert sich dies in unangenehmen Gefühlen, wie Angst, Frust oder Wut. Sind Sie erfüllt, fühlen wir uns freudig, lebendig, ausbalanciert. Oder sogar noch besser! Zum Erhalt unseres Gleichgewichts hat der Körper sich also ein ziemlich ausgeklügeltes System ausgedacht. Oder der liebe Gott von mir aus. Wir müssen nur darauf hören oder fähig sein, es überhaupt wahrzunehmen.
Klingt so, als würde sich ein genauerer Blick auf unsere Bedürfnisse schon lohnen können.

Eine Liste mit den Grundbedürfnisse nach Marshall Rosenberg kannst du über diesen Link downloaden:
Grundlegende-menschliche-Beduerfnisse-nach-Marshall-Rosenberg2.pdf

Was kann ich konkret für meine Balance tun?

Wer seine Bedürfnisse kennt, aber nicht in der Lage ist sie umzusetzen, der ist in der Regel nicht gefährdet in ein totales Ungleichgewicht zu geraten. Denn Bedürfnisse wollen in erster Linie 'gehört' werden laut Rosenberg. Wer hingegen unsicher ist, was er überhaupt braucht, damit er ein glückliches Leben führen kann, sollte sich schleunigst auf den spannenden Weg machen, sich selbst und seine individuellen Bedürfnisse genauer zu erkunden.

Um überhaupt einen Zugang zu dafür zu bekommen, ist es laut Strehlau essenziell über ein ausgeprägtes 'Selbstgespür' zu verfügen. Das heißt, dass ich in der Lage bin, wahrzunehmen, was in mir gerade los ist. Hilfreiche Praktiken hierfür sind alle, die mich dazu bringen, in mich hineinzuhorchen. Mir selbst zuzuhören. Mich selbst zu befragen. Mir Zeit für mich und meine Gedanken zu nehmen. Das erfordert Willen, Ruhe und ganz oft auch Mut.

Meditation ist eine sehr effektive Selbstgespür-Praxis, oder der Selbstdialog, sowie Gewaltfreie Kommunikation, Beten, ein Coaching, Achtsamkeitstraining.. und viele mehr! Wer seine Bedürfnisse kennt, ist auf einem guten Weg zu einem ausgeglichenen Leben!

Anregung

In welchen Situationen/ Kontexten fühlen Sie sich gerade in Balance? Welches Bedürfnis ist in diesen Situationen gerade erfüllt? (Nehmen Sie gerne die Bedürfnisliste von oben zur Hilfe wenn Sie Schwierigkeiten haben, die richtigen Worte zu finden. In der Regel sprechen Sie beim drüberlesen direkt ein oder mehrere Begriffe an.)
In welchen Situationen/ Kontexten fühlen Sie sich gerade nicht in Balance? Welches Ihrer Bedürfnis ist in diesen Situationen nicht erfüllt? Was können Sie jetzt tun, damit Sie sich besser fühlen? Was noch? Was noch? Was noch? (es gibt IMMER mehrere Möglichkeiten!)
Jetzt schauen Sie sich die Bedürfniswörter, die Sie genannt haben mal genauer an und formulieren Sie, was genau Sie du darunter überhaupt verstehen. Was bedeutet für Sie persönlich zum Beispiel 'Autonomie'?

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